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Ist DAS das Ende meiner Such- und FindÄra am Steilufer?

Ja! Es gab schon lange ein Gefahrenhinweisschild. Dezent am Rand und entsprechend ignoriert von den Strandwanderern. Inklusive mir. Natürlich! Das Steilufer zwischen Ahrenshoop und Wustrow gehört zu meinen Such- und Findorten erster Wahl!

 

In diesem Winter ergab es sich noch nicht, wie ich es kennen und lieben lernte: im Hellwerden an den Klippen ankommen und dann in den Tag hinein Schätze bergen... auch zwischendurch zum Auto gehen, abladen und zurückkommen. Selbst bei blaue-Kältefinger-Zuständen! Herrlich! Das verspricht weniger Konkurrenz!

Denn wir Sammler konkurrieren schon ziemlich! Tsss... warum nur?

 

Weil es ist wie mit jeder Sucht - sie will befriedigt werden. Und der Kick, den jeder geniale Fund mit sich bringt, verlangt einfach nach mehr. Punkt.

 

Und so komme ich überglücklich heute Morgen gegen sieben von der Ahrenshooper Seite zum Strand und will wie liebgewonnen........ und dann...... mitten im Weg nun dieses neue Schild. Sehr offensiv an der Wasserkante, nicht mehr dezent am Rand. Und wirklich nicht mehr zu ignorieren. 

Mir wird etwas mulmig. Normalerweise mache ich mir aus solchen Schildern wenig. 

Hmmmm... 

Ich fordere mich heraus und lasse mir nicht verbieten... Passe ich eben auf! 

Und erlebe interessantes: der Zeitungsartikel, der mir letzte Woche geschickt wurde (danke!), triggert in mir! 

Ich war selber an jenem 7.1. am Steilufer und genoß die Sonne und den Frühlingshauch. Ein herrlicher Sonntag und viele Strandläufer! Ich bekam nichts von diesem Ereignis mit.

Mich überraschte der Artikel ebenso, wie die Wustrowerin wohl der Abbruch. Habe auf einmal ziemlich Respekt, obwohl die Gefahr keinesfalls neu ist. Sooo viele Tage verbrachte ich schon dort und fühlte nie die Angst. Nun ist es ein Thema in mir. 

Weil es aber eben auch wirklich ernst und ernster wird!! Seit Jahren wird dieses Problem des Landwegbruchs thematisiert. 

 

Und nebenbei... ob nun im ängstlichen Respekt nicht konzentriert genug oder der Ostwind doch nicht ergiebig genug oder die Schätze einfach nicht reichlich gesät genug - ich habe auf dem kurzen Stück, welches überhaupt trockenen Fußes begehbar ist, nur einen Hühnergott und eine Donnerkeilspitze gefunden! Sollte wohl nicht sein! Ich sollte ja auch nicht dort sein! 

 

 

Also muss ein neuer Plan für diesen angebrochenen Tag her, es ist ja erst kurz nacht Acht. Und ich kann nicht, wie erhofft, im Suchen und Finden von Fossilien und anderen Schätzen für meine Arbeit aufgehen.

Schade. Wehmut überfällt mich! Muss ich mich tatsächlich von jenen tollen Tagen am Steilufer verabschieden? 

Soll da Platz für Neues werden?

Die Natur gibt so viel, nimmt so viel... ein ewiger Kreislauf. Ich glaub, ein Hauch Melancholie ist auch dabei, bei meinem Sein jetzt.

 

Es ist zu kalt zum Sinnieren, ich muss in Bewegung bleiben! Schaue ich mir das Ganze doch mal von oben an. Solange es noch da ist. Galgenhumor. 

 

 

Ich stelle sehr schnell fest, dass die Lage im wahrsten Sinn des Wortes besch... ist! Überreste sämtlicher Art und noch mehr Müll.

Und dazu der sehr heftige Ostwind. Am Strand war ich - merke ich jetzt - offenbar gut geschützt. Nun beginnt ein echter Wettstreit: Werde ich mich auf den Klippen halten können und das Handy in meinen Händen? Beinahe krampfhaft umklammern es meine Handschuhlosen Finger.

Die Kamera habe ich nicht dabei, ich war ja zum Steine Suchen, Finden und Schleppen angetreten. Dabei müsste ich es langsam verinnerlicht haben, dass es oft anders kommt und die Kamera immer mit muss. Die kann ich mir umhängen und damit ein besseres Gefühl haben. Nun denn. Festhalten!! 

Ich beuge mich also, damit ich wenigstens ein paar Bilder bekomme, samt Handy über den Abhang... uaaahhh... Adrenalin pur! 

Thermostrumpfhose und Thermohose, Wollsocken und Gummistiefel, 6 Lagen Zwiebelprinzip oben - nein! Kalt ist mir ganz und gar nicht! Im Gegenteil! Angstschweiß! Wäre ja nicht die Erste, die es von einer Klippe weht. 

Und finde nicht eine Stelle ohne Abbruchspuren, das ist schon bedenklich-beängstigend, das Ausmaß ist schlimmer, als ich vorhin wahr haben wollte. 

 

 

Dazu dieser Sturmwind! Noch habe ich ihn in Richtung Wustrow im Rücken und damit den Blick frei für's Hohe Ufer, das ich aufrecht entlang gehen kann.

Das ändert sich schlagartig auf meinem Rückweg nach Ahrenshoop. Mir peitschen die Böen ins Gesicht und schlimmer noch: ich komme kaum vorwärts! Mit geradem Gang klappt das nicht! Fühle mich wie ein Bergsteiger, der Höchstleistung vollbringen muss, um den Gipfel zu erklimmen. Biete zu viel Angriffsfläche und knicke mich in der Mitte. Stemme den Kapuzenkopf dickköpfig gegen den Sturm... sehe nichts mehr als den nächsten Schritt... will jetzt nur noch weg hier und in die Windstille und Frühstück wäre jetzt nur allzu schön... auch wenn es dann doch gleich Mittag ist, bis ich in Prerow zurück bin. 

Hatte heute Morgen irgendwie ganz anderes erwartet und muss mir eingestehen, dass mich die Planänderung nicht unbedingt glücklich gemacht hat. Was sie durchaus oft tut. Andererseits - was bitte sollte mich im Angesicht der Küstenproblematik auch heiter stimmen? Irgendwie passt alles genau zusammen! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und mit diesem Bild verabschiedet sich mein Handy-Akku in den Arbeitsstreik. 

Recht hat er!

Ich habe auch keine Lust mehr auf Winter. Es ist sowas von Zeit für Frühling! Für frisches Grün und endlich weniger Klamotten. Was habe ich diese vielen Klamotten über! 

Und ohne eisigen Wind fänd ich auch toll. 

Auch wenn ich die heutige Erfahrung nicht missen möchte. So oft stelle ich mich diesen Natur-gewalten ja nicht.

 

Die angesagte Sturmflut am Abend wird im Übrigen wesentlich harmloser ausfallen, als jene vom Januar 2017!